22 August 2016

Das Morgen ist immer schon jetzt, Patrick Ness ~ Rezension

Autor: Patrick Ness
Verlag: cbj
Seitenzahl: 320
Hardcover: 16,99€
EBook: 13,99€

Inhalt:
Was, wenn man NICHT einer der Auserwählten ist, wie sie immer in den Büchern beschrieben werden? Wenn man nicht der Held ist, der sonst üblicherweise die Zombies bekämpft, oder die Seelenesser oder was immer gerade das nächste unheilbringende Wesen sein mag, das die Welt bedroht. Was, wenn man einer ist wie Mikey? Der einfach nur seinen Abschluss hinbekommen möchte und zum Schulball gehen und vielleicht irgendwann den Mut aufbringen, Henna um ein Date zu bitten – bevor irgendjemand die Schule in Schutt und Asche legt. Wieder mal. Denn manchmal gibt es stinknormale Probleme, die echt wichtiger sind als der nächste Weltuntergang, und angesichts derer man erkennt, dass das eigene ganz normale Leben absolut einzigartig und außergewöhnlich ist.

Mich hat selten ein Buch so sehr überrascht wie dieses hier. Das Morgen ist immer schon jetzt war nämlich ganz anders als ich es erwartet hatte. Ich dachte, dass es sich hierbei, um eine ganz normale, aber schnöne High School Geschichte handeln würde, vielleicht ganz ähnlich wie The Perks of Being a Wallflower von Stephen Chbosky. Und auf sowas hatte ich mich auch gefreut, weshalb ich anfangs auch eher negativ überrascht war. Das änderte sich schließlich aber doch noch, denn dieses Buch ist mal etwas ganz anderes und ich finde das die Orginalität des Erzählten es zu etwas ganz besonderen macht.
Aber was macht das Buch so originell?  Die Sicht, aus der erzählt wird ist das Besondere. Wenn in Büchern von einer Alienapokalypse, menschenfressenden Vampiren oder ähnlichem erzählt wird sind die Protagonisten eigentlich immer direkt davon betroffen und sind am Ende meistens auch die, die das Problem lösen und die Menschheit mal wieder retten. Hier ist das aber ganz anders, denn Mikey und seine Freunde kämpfen nicht gegen irgendetwas Übernatürliches, sondern gehören zu den Personen von denen man in anderen Fantasybüchern nicht viel erfährt. Nämlich zu denen, die zwar mitkriegen, dass irgendwas passiert, aber nicht wissen was das ist und ich fand es wirklich interessant, zur Abwechslung mal aus so einer Perspektive zu lesen, weil ich mich schon immer gefragt hab, was den "Normalen", nicht Auserwählten, so im Kopf rumschwirrt, wenn gerade die Welt untergeht oder massenhaft Jugendliche verschwinden. Ich finde die Idee eine Geschichte so zu erzählen unglaublich genial und kreativ und bin fast ein bisschen neidisch, dass ich nicht vor Patrick Ness selbst darauf gekommen bin. 

Neben der Idee und der Handlung im Allgemeinen fand ich auch den Schreibstil von Patrick Ness wunderschön. Dieser erinnert mich ein wenig an den von John Green und ich finde, das er sich unglaublich gut und leicht lesen lässt. Der Schreibstil ist zwar ganz simpel, aber trotzdem steckt in den Wörtern ganz viel Tiefe und ich liebe so etwas einfach.

Die Hauptcharaktere - Mikey, Jared, Mel und Henna - fand ich alle sympathisch und außerdem hat mir gut gefallen, dass man sich wirklich mit ihnen identifizieren kann, weil sie einfach ganz normal sind. Also zumindest fast normal. Jared ist nämlich nicht ganz so normal. Ich will jetzt nicht sagen, warum er 'unnormal' ist, weil das ein Spoiler wäre, aber das er eben nicht normal ist, ist mein erster Kritikpunkt an dem Buch. Anfangs fand ich das Übernatürliche an Jared einfach nur überflüssig und bescheuert, später hab ich dann zwar erkannt und verstanden, warum der Autor ihn übernatürlich gemacht hat, aber hätte es nicht bitte etwas anderes sein können? Meiner Meinung ist Jareds 'Superkraft' nämlich etwas zu weird und zieht das Buch irgendwie ein Stück weit ins Lächerliche und das hätte wirklich nicht sein müssen. Ein weiterer Kritikpunkt wäre Mikeys Zwangsneurose. Ich verstehe, dass Patrick Ness damit wahrscheinlich zeigen wollte, dass die 'kleinen' Probleme manchmal genau so groß sind wie die großen und auch ganz normale Menschen Tag für Tag Kämpfe austragen und das teilweise mit sich selbst.  Aber ich hab einfach das Gefühl, dass schon tausend andere Protagonisten in Jugendbüchern genau dieselbe Zwangsneurose hatten und irgendwie hat mich das gestört, weil ich das schon so oft gelesen habe. Ansonsten waren die Protagonisten aber wirklich toll und authentisch und eine Freundschaft wie die ihre (die übrigens ganz toll dargestellt wurde) kann sich eigentlich jeder nur wünschen.

Jetzt zu einem meiner Lieblingspunkte, wenn es um das Buch geht. Die Aufmachung. Ich liebe sie einfach! Das Cover ist wunderschön und passt so, so, so, sooooo gut zum Inhalt. Gleiches gilt für den Titel. Beides ist einfach ein Traum.♥ 
Besonders gut hat mir auch gefallen, dass am Anfang jedes Kapitel die Geschichte  auch aus den Augen der Auserwählten, der 'Indie Kids', ganz kurz zusammengesfasst erzählt wird. Zuerst hat mich das zwar extrem verwirrt, aber als ich es dann verstanden hatte, war diese zweite Perspektive wirklich toll!

Insgesamt ist Das Morgen ist immer schon jetzt von Patrick Ness ein Jugendbuch, dass mich anfangs extrem verwirrt hat, mich später dafür aber umso mehr von sich überzeugen konnte, da die Idee dahinter einfach so unglaublich genial ist! Deshalb: quält euch durch den Anfang, der euch vielleicht verwirrt! Es lohnt sich!

Ein ganz großes DANKE für dieses tolle Rezensionsexemplar geht an den cbj Verlag!

Liebe Grüße, Bekky <3


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen